
"Die Eroberung des Prenzlauer Berges - eine Leichenoper"

“Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.”
[Marie von Ebner-Eschenbach]


Foto © Norbert Möller
Eine Lesung mit Musik
Cornelia Heyse & Matthias Brenner mit Christoph Schambach am Klavier
Dauer ca. 1:20 h
Nele Heyse (Schauspielerin, Autorin) und Matthias Brenner (Schauspieler, Regisseur, Autor u. ehem. Intendant) haben jeder für sich Geschichten aufgeschrieben, die sie selbst erlebt haben, also nicht erfunden werden mussten. Sie handeln von beider Wohnungsbesetzungen im Berliner Prenzlauer Berg der 70er/80er Jahre während ihrer Studienzeit an der Schauspielhochschule. Damals lag schon eine Musik in der Luft, die sich bald als die “Leichenoper” von Christoph Schambach einen provokativen Namen im vergangenen System der DDR machen sollte. “Ein jeder hat seine Leiche im Keller” heißt es dort und wirft die Frage auf, wie weit wir bereit sind, für die Karriere zu gehen? Auch heute, viele Jahre und einen Systemwechsel später, hat die Songoper an erschreckender Brisanz nichts verloren.
Nele Heyse und Matthias Brenner präsentieren ihre Texte und Songs aus der “Leichenoper” mit Christoph Schambach am Klavier.



Mit anschaulichem Witz lassen sie die damaligen Wohnverhältnisse im Prenzlauer Berg wieder lebendig werden und schauen mit berührender Herzenswärme auf die Menschen, die unter schwierigen Umständen ihr kleines Glück finden, indem sie es selbst in die Hand nehmen. Ein wunderbares Stück Erinnerungskultur!

Hintergründe zur Wohnungssituation in Ost-Berlin
"Während die Staatsführung der DDR alle Kraft in die Schaffung von riesigen Plattenbausiedlungen am Rand Berlins steckte, verfielen große Teile der Innenstadtbezirke zunehmend. Darüber konnten auch gelegentliche Sanierungsprojekte nicht hinwegtäuschen. Die Maxime der DDR-Wohnungspolitik war es, die „Lösung der Wohnungsfrage“ durch gigantische Neubauprogramme anzustreben. Bereits in den 60er Jahren bestand der Plan, den gesamten Bezirk Prenzlauer Berg – oder zumindest den südlichen Teil davon – abzureißen, um an seiner Stelle Plattenbauten zu errichten. Doch bereits in den 70er Jahren wurde der Plan aufgrund des akuten Wohnungsmangels auf Eis gelegt. Die Stadtplanungsbüros wurden nun angewiesen, schnelle Lösungen zu finden...
Für die große Masse des Altbaubestands unterblieb die überfällige Sanierung, weil die staatlichen Mittel nicht ausreichten... Nicht unähnlich der West-Berliner Sanierungspolitik, setzte man auch in den Innenstadtbezirken des Ostens planungsperspektivisch auf Entmietung, Abriss und kostengünstigen Betonneubau...
Ein wesentlicher Grund für den steigenden Leerstand in den Altbaugebieten der Innenstadt waren die stetig wachsenden Bestände in den Neubausiedlungen von Marzahn, Hellersdorf und Heinersdorf. Es waren gefragte Wohnungen mit Fernwärme und Warmwasser. Hier zog es viele Menschen hin. Anstatt die freigewordenen Wohnungen im Altbau jedoch für die vielen Wohnungssuchenden zu nutzen, verschwanden ganze Straßenzüge förmlich von der Bildfläche. Sie galten als nicht mehr vermietbar und standen auf imaginären, für die Zukunft angedachten Abrissplänen...
Vor diesen Hintergründen erklärt sich, warum in der ganzen DDR das sogenannte schwarze Wohnen bereits in den 70er und dann erst Recht in den 80er Jahren zur probaten Methode wurde, um an Wohnraum zu gelangen. Das Ziel dieser Art der stillen Besetzung bestand nicht darin, Miete zu sparen, sondern schlichtweg eine Wohnung zu bekommen. Nach dem Bezug war es wichtig, sich „still zu verhalten“, damit die Besetzung nicht aufflog."
aus "Schwarzwohnen in der DDR" von Dietmar Wolf aus dem MieterEcho der Berliner Mieter Gemeinschaft (bmgev.de)





Prenzlauer Berg, späte 80er / Fotos mit freundlicher Genehmigung von ©Norbert Möller

Die Erinnerung ist eine mysteriöse Macht und bildet den Menschen um.
Wer das, was schön war, vergisst, wird böse.
Wer das, was schlimm war, vergisst, wird dumm.
[Erich Kästner]
Haben Sie Interesse an diesem Programm?
Es braucht lediglich einen Flügel/ein Klavier, zwei Stühle und evtl. etwas Verstärkung. Wir spielen in Ausstellungen (gerne Fotoaustellungen mit DDR-Bezug), Foyer-Konzerte in Theatern, Literaturhäusern etc.
Bei Interesse zeigen wir im Anschluss die DFF-Fernsehproduktion der "Leichenoper" von 1990 mit der Besetzung der Uraufführung.
Melden Sie sich gerne über unseren Kontakt.